
Oymyakon gehört zu den kältesten dauerhaft bewohnten Orten der Welt. Im Winter sinken die Temperaturen bis auf -71°C. YouTuber Ruhi Çenet besucht diesen Ort, um das Leben in der arktischen Kälte hautnah zu erleben.

Auf weniger als zwei Quadratkilometern leben rund 800 Menschen. Der Boden ist das ganze Jahr über gefroren und liegt oft hunderte Meter tief im Permafrost. Ohne den konstant laufenden kohlebefeuerten Heizkessel wäre das Überleben hier undenkbar.

Ruhi spürt innerhalb von Sekunden, wie die eisige Luft seine Haut wie Feuer brennen lässt. Seine Wimpern gefrieren blitzschnell, und jeder Atemzug verwandelt sich in einen Schleier aus Frost. Nach nur 15 Minuten draußen wird die Nase weiß und taub.

Nach all der eisigen Kälte draußen wollen wir nun einen Blick in den Bau der Häuser werfen. Das Fundament besteht aus dicken Holzbalken, darunter liegt eine 30 Zentimeter starke Dämmung. Sieben Materialschichten in den Wänden sorgen dafür, dass die Wärme im Inneren bleibt und der Frost draußen bleibt.

Trotz der Kälte schenken die Bewohner ihren Häusern liebevolle Dekoration und persönliche Gegenstände. Ruhi fühlt sich in den warmen und gemütlichen Zimmern sofort wohl und erkennt den großen Wert dieser kleinen Wohlfühloasen.

Zusätzlich zur zentralen Heizung wird mit Öfen nachgeheizt. Ruhi beobachtet, wie wichtig diese zweite Wärmequelle ist, um bei extremen Minustemperaturen eine angenehme Wohnatmosphäre zu schaffen und das Risiko von Kälteschäden zu minimieren.

Milch und Fleisch werden direkt auf dem gefrorenen Boden gelagert. Wasser stammt aus Tanks, Abwasser wird in Eimern gesammelt. Innen gibt es keine Toiletten, stattdessen befinden sich im Hof sogenannte Eis-Toiletten, deren Inhalt in der Kälte zu meterhohen Säulen gefriert.

Obst oder Gemüse sind praktisch unbekannt. Die Ernährung der Bewohner besteht fast ausschließlich aus Fleisch – Pferd, Rentier, Wolf – oft roh verzehrt. Es ist wichtig, dass Fleisch vollständig verwertet wird, um in dieser Kälte zu überleben.

Die Bewohner tragen bis zu 20 Kleidungsschichten mit einem Gesamtgewicht von etwa 14 Kilogramm. Ruhi versucht selbst, diesen Anzug anzuziehen, und spürt trotz des Gewandes, wie die Kälte seine Haut immer noch empfindlich trifft.

Die Landschaft rund um Oymyakon ist atemberaubend: Bäume sehen aus wie weiße Skulpturen, bedeckt von Eis und Schnee. Fische, die in unterirdischen Netzen gefangen sind, frieren beim Kontakt mit Luft sofort eine – Natur als lebendige Tiefkühltruhe.

Jeder Ausgang ins Freie erfordert Mut und Vorsicht. Ruhi erlebt, wie sich Körper und Geist bei der Kälte anstrengen müssen. Doch das warme Heim danach zu erreichen, bedeutet für alle eine kleine Feier des Überlebens.
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